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Impuls zum 12. Juli 2026

Zum 15. Sonntag im Jahreskreis

Von Odilo Metzler (Stuttgart), pax christi-Bundesvorsitzender

Vom Wettlauf der Frösche
1. Lesung: Jesaja 55,10-11 Gottes Wort kehrt nicht leer zurück
2. Lesung: Römer 8,18-23 Auch die Schöpfung soll befreit werden 

Evangelium: Matthäus 13,1-23
An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen.
Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg
und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg,
wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.
Wer Ohren hat, der höre!

Gedanken zum Evangelium
Es ist nicht leicht zu verlieren. Wir haben die Bilder der Enttäuschung vor Augen von Spielern und Fans der Mannschaften, die bei der Fußballweltmeisterschaft ausgeschieden sind. Bewegend war die Freude in Curacao über das eine Tor beim 1:7 gegen Deutschland. Worum geht es im Spiel und im Leben? Zu gewinnen, über andere zu siegen? „Erfolg ist keiner der Namen Gottes.“ Dieses Wort des jüdischen Philosophen Martin Buber macht uns deutlich, dass es im Leben um mehr geht als darum, perfekt zu sein oder sich zu optimieren, wie es Idealvorstellungen unserer Zeit empfehlen.

Darum geht es auch im Bild des Sämanns. Er wirft die Saat aus, nicht sparsam, sondern großzügig, verschwenderisch. Er überwacht die Saat nicht, kontrolliert nicht, ob sie keimt und Wurzeln schlägt. Für das Wachsen ist er nicht verantwortlich. Seine Haltung ist Großzügigkeit und Gelassenheit, Zuversicht, dass sein Anfang Früchte trägt.

Doch dann ist von einem dreifachen Misserfolg die Rede: Der erste Teil fällt auf den Weg und wird von den Vögeln gefressen. Ein erster Misserfolg. Der zweite Teil fällt auf felsigen Boden, geht zwar auf, kann aber nicht Wurzeln schlagen. Ein zweiter Misserfolg. Der dritte Teil erstickt zwischen Dornen und Disteln. Erst der vierte Teil fällt auf fruchtbaren Grund und geht auf, dreißigfach, sechzigfach, hundertfach. Es drückt die Überzeugung aus, dass Gottes Wort Frucht trägt, dass Gottes Reich wächst, auch wenn die Chancen 1:3 stehen, Bedenken offenbar begründet und Misserfolge augenscheinlich sind. 

Ich denke, dass diese Bildrede auch unsere Situation trifft.  Wir haben es offenbar nicht in der Hand, wo Gottes Wort auf fruchtbaren Boden fällt. Wir können selbst aufmerksam werden, versuchen uns zu öffnen, uns treffen und berühren zu lassen, aber auch in uns selbst sind nicht wir es, die es wachsen lassen. 

Auch bei mir selbst ist es ja so, dass vieles nicht auf fruchtbaren Boden fällt: auf den Weg: ich kann es gar nicht aufnehmen, ich bin mit anderem beschäftigt, habe „keine Zeit“, keine Aufmerksamkeit. Gott hat gar keine Chance in mein Herz zu gelangen;

Oder Gottes Wort kann keine Wurzeln in mir schlagen: ich bin oberflächlich begeistert oder beteiligt, aber die Tiefe des Herzen bleibt unberührt davon; oder in mir ist es felsig, ich bin hart geworden, lasse mich nicht mehr überraschen, staune nicht mehr;

Oder: sein Wort erstickt in mir, in mir ist es eng, ich habe Angst, feste Vorstellungen, die nichts Neues zulassen, sehe nur, was „früher besser war“, kann mich nicht mehr freuen und dankbar sein für das, was wächst. Wenn ich bitter werde oder zynisch, hängt es oft mit Verletzungen zusammen, den Dornen und Disteln in meinem Leben, die meine Freude und Gottes Liebe ersticken können. So vieles spricht in unserer Welt gegen Gottes Reich, unsere Kriege, unsere fehlende Bereitschaft zu teilen und unsere fehlende Liebe zur Schöpfung.

Das alles ist aber offenbar nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass es in mir und in anderen auch fruchtbaren Boden gibt, wo ich mich berühren lasse, überraschen lasse, wo mir das Herz aufgeht. Überlegen wir für uns: Wo hat mich in den letzten Tagen etwas berührt, wo ist mir das Herz aufgegangen?

Jesus ist so wohltuend realistisch mit dem Sämannsgleichnis: Unfruchtbares, Verhärtetes, Verengtes, Angst und Hass, das gibt es alles in uns. So ist unser Leben. Es gibt aber auch das andere, wo ich berührbar bin. Das ist das Einfallstor des Himmels. Darauf kommt es an. Da kann ich wachsen. Da kann Gottes Wort, Gottes Liebe in mir wachsen, da wächst Gottes Reich. 

Das gilt auch für uns als Kirche. Da, wo Gottes Reich auf felsigen Grund fällt, können wir noch so gießen: es kann nicht wachsen. Wo es Gesetze und Ordnungen gibt, die nicht dem Leben dienen, verdorrt die Saat: der Ausschluss von Frauen vom kirchlichen Amt, eine Sexualmoral, die so lange von Angst und Sanktionen bestimmt war, das trägt keine Frucht.  Wenn die Saat nicht da aufgeht, wo wir es erwarten, dann vielleicht wo ganz anders, wo wir es nicht vermuten. Die ganze Schöpfung will befreit werden aus der Verlorenheit zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes, heißt es in der Lesung im Römerbrief. Das betrifft auch unseren Körper und auch unsere Sexualität. Auch hier geht es nicht darum, dass wir perfekt sind oder gewinnen, sondern dass wir uns und andere achten in ihrer Würde und Freiheit. 

Das Sämannsgleichnis will uns Mut machen. Auch wenn die Chancen 1:3 stehen, kommt es auf den einen Teil an, der auf fruchtbaren Boden fällt. Lassen wir uns Mut machen. Lassen wir uns nicht von Niederlagen oder wahrscheinlichen Niederlagen bestimmen.

Die Fabel von den Fröschen
Dazu gibt es eine schöne Geschichte, die Fabel von den Fröschen. Sie passt auch zu unserem gesellschaftlichen Diskurs, dass ein „entwaffneter und entwaffnender Friede“ (Papst Leo) nicht möglich sei.

Eines Tages entschieden die Frösche, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders schwierig zu machen, legten sie als Ziel fest, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen. Am Tag des Wettlaufs versammelten sich viele andere Frösche, um zuzusehen. Dann endlich – der Wettlauf begann.

Nun war es so, dass keiner der zuschauenden Frösche wirklich glaubte, dass auch nur ein einziger der teilnehmenden Frösche tatsächlich das Ziel erreichen könne. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie also “Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!” oder “Das ist einfach unmöglich!” oder “Das schafft Ihr nie!” Und wirklich schien es, als sollte das Publikum recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf. Das Publikum schrie weiter: “Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!”

Bald gaben alle Frösche auf – alle, bis auf einen einzigen, der unverdrossen an dem steilen Turm hinaufkletterte – und als einziger das Ziel erreichte. Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert und alle wollten von ihm wissen, wie das möglich war. Einer der anderen Teilnehmerfrösche näherte sich ihm, um zu fragen, wie er es geschafft hätte, den Wettlauf zu gewinnen. Und da merkten sie erst, dass dieser Frosch taub war!

Er konnte nicht abgebracht werden von seinem Glauben, dass sich die Mühe lohnt so wie der Sämann, der unverdrossen den Samen aussät, damit Gottes Reich wächst und in den Herzen immer neuer Menschen Wurzeln schlägt.  

Gebet
Gott, lass uns in dieser Sommerzeit Freude haben und staunen über alles, was wächst und blüht. Lass uns sorgsam mit uns selbst und anderen umgehen und wertschätzen was auch in uns selbst und in anderen wächst und lebt. Lass uns wie der Sämann Gutes ausstreuen, die Früchte teilen und uns an dem freuen, was in deinem Reich wächst. Lass uns selbst bereit sein für dein Wort und dein Reich wie ein guter Acker, dass wir neben dem, was in uns hart, steinig und dornig ist, auch fruchtbar sind, offen, neugierig und geduldig.